Aldo Gigli

    Aldo Gigli · Mitbegründer des Mirano Continental · Bühnenbildner und Grafiker

    Die Bedeutung der Mode im Mirano

    Das Mirano Continental war nicht nur ein Nachtclub. In den 1980er-Jahren fanden dort regelmäßig Modenschauen, Wettbewerbe und Abende rund ums Modeln statt, die Mode und Bühnenkunst ins Brüsseler Nachtleben brachten.

    Unter diesen Ereignissen blieb der Wettbewerb « Devenir Mannequin » im Gedächtnis des Lokals: Eine an DJs und Scheinwerfer gewohnte Bühne wurde für einen Abend zum Laufsteg, auf dem das Publikum der Modewelt begegnete.

    Die belgische Presse begleitete diesen Wettbewerb jahrelang, vom « Starthilfe » genannten Schub, den Le Soir 1992 beschrieb, bis zur Öffnung für 15- bis 30-Jährige 1999: ein Sprungbrett für Jugendliche, die vom Beruf träumten, in Belgien und international.

    1983 widmete RTBF dem Wettbewerb « Devenir Mannequin 83 » im Mirano einen Beitrag mit dem Journalisten Joseph Lewkowicz. Am 12. Dezember 1989 organisierte die Zeitschrift Marie Claire im Mirano eine Modenschau rund um das Model Dominique Goossens, vor den Augen von Carl De Moncharline, der ab 1991 die künstlerische Leitung des Lokals übernehmen würde.

    Eine weitere Marie-Claire-Schau fand 1986 oder 1987 im Mirano statt, festgehalten von Michel Godfroid Meding, damals ein Anfänger als Fotograf. Er erzählt: « Mein Freund Renaud, Model bei New und Barkeeper dort, hatte mir eine Einladung besorgt. Ich saß auf dem Balkon neben den Beleuchtern, mit meinem Einbeinstativ, der Contax RTS 2 und dem 300-mm-Carl-Zeiss (ohne Autofokus), 160-T-Film auf 640 ISO gepusht. » Seine Bilder, vom Balkon bei sehr wenig Licht aufgenommen, rufen die genaue Atmosphäre jener Abende zurück: gesättigte Farben, Korn, Bewegung.

    Das Album unten vereint die erhaltenen Modenschau-Fotos aus den Archiven: die Marie-Claire-Schauen von 1986-87 und 1989, die Herbst-Winter-Präsentation von Charles Dorfeuil aus dem Jahr 1983 und Laufstege der 1980er-Jahre, vom Science-Fiction-Dekor bis zum goldenen Lamé.

    Fotoalbum: Modenschauen im Mirano Continental, 1980er-Jahre. Fotos © Olivier Hennebert, © Mark Stevens und © Michel Godfroid Meding, einige Credits: DR. Klicken Sie auf das Foto, um das Album zu durchblättern.

    Marie-Claire-Modenschau, das Duo in Weiß, 1986-87
    Farbfoto, Hochformat. Auf dem Laufsteg tanzt ein Modelpaar in Cremeweiß: Sie trägt ein drapiertes Kleid mit langen Ärmeln, Handschuhe und goldenen Schmuck; er weißes Hemd und Hose. Hand in Hand, Profil an Profil, bilden sie ein Pas de deux: Im Mirano wurde Mode wie eine Bühnenaufführung choreografiert.
    Marie-Claire-Modenschau, der blaue Hut, 1986-87
    Farbfoto, Hochformat. Ein Model schreitet vorbei, einen königsblauen Schlapphut über den Blick gezogen, karierte Hemden in allen Blautönen unter einer hellen Jacke übereinander. Aus der Nähe aufgenommen, fängt das Bild die Haltung der Schau ein: Die Garderobe wird zur Silhouette, gezeichnet vom bläulichen Bühnenlicht.
    Marie-Claire-Modenschau, die blauen Körper, 1986-87
    Farbfoto, Hochformat. Zwei Performer mit ganz blau bemalten Körpern, in Slips, tauschen smaragdgrüne Budapester in einer frontalen Choreografie, vor den hellen Vorhängen des Saals. Zwischen Tanz und Happening kippt die Schau in Performance: Im Mirano wurde Mode auch mit dem Körper gespielt.
    Marie-Claire-Modenschau, die Safransilhouette, 1986-87
    Farbfoto, Hochformat. Ein Model in safranorangem Ensemble, gestreifter Jacke und schmaler Hose, hohem Hut mit schwarzen Federn und passendem Muff, schwarzen Handschuhen, schreitet über den Laufsteg vor einem Vorhang aus kaltem Licht. Der Kontrast warmer Töne zum bläulichen Grund verleiht der Silhouette die Präsenz eines Plakats.
    Marie-Claire-Modenschau, schwarzes Leder und leuchtendes Rot, 1986-87
    Farbfoto, Hochformat. Zwei Models in glänzendem schwarzem Leder, hohen Hüten, riesigen Ohrringen und schwarzen Handschuhen, leuchtend roten Röcken und Tops, schreiten frontal unter den Scheinwerfern. Der Glanz des Vinyls und das unverblümte Rot ergeben ein Modebild wie direkt aus den 1980er-Jahren.
    Marie-Claire-Modenschau, die gelben Mützen, 1986-87
    Farbfoto, Hochformat. Zwei Silhouetten schreiten Seite an Seite, goldgelbe Mützen: links ein elektrisch blaues Kostüm, rechts eine bunte Patchwork-Jacke auf blauem Grund, ein langer schwarzer Schleier weht hinterher. Der getanzte Schritt und die kräftigen Farben fassen den Geist der Mirano-Modenschauen zusammen.
    Marie-Claire-Modenschau, der graue Mantel, 1986-87
    Farbfoto, Hochformat. Ein Model überquert den Laufsteg, ein langer fließender grauer Mantel über bläulichen Karohemden, passender Hut, Hände in den Taschen. Das Layering und das Spiel der Blautöne verleihen der Silhouette eine Comic-Eleganz.
    Herbst-Winter-Präsentation von Charles Dorfeuil, 1983
    Farbfoto, Querformat. Vor schwarzem Grund spielt eine Musikerin im Karoanzug Flöte, während ein kupferhaariges Model mit goldenen Ohrringen lauscht, den Kopf zurückgelehnt. 1983 war die Herbst-Winter-Präsentation des Couturiers Charles Dorfeuil im Mirano bereits als Theater inszeniert: Mode, Musik und die Nacht waren eins.
    Modenschau im Mirano, die Raumfähre, 1980er-Jahre
    Farbfoto, Querformat. Vor einer grauen Trennwand voller Filmrollen, Anzeigen und Hebel hält ein Model in weißer Offiziersuniform, mit Marinemütze und schwarzen Handschuhen, ein rotes Mikrofon wie ein Zepter. Das Science-Fiction-Dekor verwandelt den Laufsteg in einen Kontrollraum: Im Mirano war eine Modenschau nie mehr als ein Vorwand, um eine Geschichte zu erzählen.
    Modenschau im Mirano, das Schlussbild, 1980er-Jahre
    Schwarz-Weiß-Foto, Querformat. Auf der Bühne des Mirano bilden sieben Models ein Schlussbild: zu Turbanen geknotete Stoffe, drapierte Taillenschärpen, übergroße Jacken und kurze Hosen, irgendwo zwischen japanischem Einfluss und Boheme-Allüre. Die Körper halten sich wie auf einer Theaterbühne, die Gesichter dem Licht zugewandt.
    Modenschau im Mirano, die goldenen Lamés, 1980er-Jahre
    Farbfoto, Querformat. Vor einer leuchtend orangen Wand steigen drei tanzende Models eine Treppe hinab, in silbernem und goldenem Lamé, glänzenden Mützen und Pailletten-Colliers, barfuß, die Stoffe in Bewegung ausbreitend. Die Schau wird zum Tanz: Mode wurde im Mirano mit der Energie einer Aufführung gespielt, in den kräftigen Farben, mit denen Aldo Gigli seine Dekors so gern ausstattete.
    Mode im Mirano, die Kleidung von Yota Angelaki, 1987-88
    Farbfotografie, Hochformat. Im goldenen Licht des Mirano posiert ein Model sitzend auf einem gelben Podest, kurze dunkle Jacke mit eckigen Schultern, hoher goldener Dutt, hängende Ohrringe, einen schwarzen Handschuh in der Hand, während eine zweite Silhouette den Rücken zukehrt, abgezeichnet gegen das leuchtende Dekor. 1987-88 ließ die Designerin Yota Angelaki ihre Kleidung im Mirano fotografieren: der Nachtclub diente als Fotostudio, zwischen Theater und Modevitrine.
    L'Événement no. 198, 1989: “Devenir Mannequin” turns 20
    Press cutting. The 20th election of young Belgian models, created in 1969 by Robert Malengreau, drew a record crowd: a giant “20 years” cake on stage, winners Mathilda Ba and Pierre Adam, runners-up Anne Monjardin and Serge Di Troia, audience prize to Anne Monjardin and Yves Desemberg. The first “Bravos de la mode belge” went to Olivier Strelli, Jean-Pierre Grafe, Claude Delacroix, Pierre Bruylandt, Alain Berlinblau, Etienne Russo and Jean-Pierre Mels.L'Événement no. 198, page 14, 1989. Unsigned article. Full transcript available in the Press section.
    Modis, 7 September 1991: the Smirnoff Award
    Press cutting. The Belgian final of the Smirnoff Fashion Award took place at the Mirano Continental: twenty-five countries competing under the New Age theme, a “strictly fashion” presentation run by the Mirano hosts. Vera Vandenbosch, a student at the Antwerp Academy, won the press and audience prizes in Belgium, then the international runner-up prize behind Spain's Fransesc Grau Tomas. Pictured: Patricia Duprez, Vera Vandenbosch, Sylvie Louagie and Billie Mertens.Modis, 7 September 1991, page 11. Unsigned article. Full transcript available in the Press section.
    Top Night & Day, May 1993: Becoming a Model at the Mirano
    Press cutting. The “Devenir Mannequin” 93 election is again held at the Mirano Continental, under the aegis of Robert Malengreau, the contest's creator, and Christine Forgeur (New Models Agency). Katty Rogge and Mehdi Guendil are elected; Olivier Strelli chairs the jury, assisted by Nick Roger and fashion journalist Nathalie Descamps. At the foot of the page, Patrick Socks's “Pirate” night at the Café d'Anvers, with Jean-Pierre Mels and Michel De Winte.Top Night & Day, May 1993, page 40. Unsigned article. Full transcript available in the Press section.
    « Devenir Mannequin 83 » im Mirano Continental, 1983
    RTBF-Beitrag von 1983 im Mirano Continental, präsentiert vom Journalisten Joseph Lewkowicz. In jenem Jahr brachte der Wettbewerb « Devenir Mannequin » zwölf Jungen und zwölf Mädchen auf die Bühne des Clubs. Robert Malengreau, Moderator und Erfinder des Wettbewerbs, und Dominique Fache, Leiterin einer Modelagentur, erklären die Herausforderung an die belgische Öffentlichkeit: den Modelberuf anerkennen zu lassen und zu beweisen, dass eine Karriere, auch eine internationale, von Belgien aus beginnen kann.Quelle: YouTube →
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    RTBF news presenter: Another segment offered by our colleagues at RTBF Brussels. A contest whose theme is “Becoming a model”. You be the judge.

    Joseph Lewkowicz: The other evening, at the Mirano in Brussels, the suspense could be read on the faces. Twelve boys and twelve girls were taking part in the “Devenir Mannequin” contest.

    Make-up artist: Everyone is here. Everyone is here.

    Show manager: At the end of the show, Robert Malengreau, the presenter, will call you one by one by your names and you will go and introduce yourselves.

    Robert Malengreau: “Devenir Mannequin”? It means wanting to play the game. Wanting to do something that sometimes seems impossible, that often seems impossible in Belgium.

    Joseph Lewkowicz: Why does that seem impossible in Belgium?

    Robert Malengreau: No, back in 69, when we created this, when I talked about it to the agencies (at the time there was one modelling agency) and when they talked to me about it, they talked about it as a dream. I mean: going to New York, Paris… Models in Belgium simply did not exist. And I was convinced that in Belgium there were absolutely very pretty girls, very handsome guys who wanted to do this job.

    Joseph Lewkowicz: Dominique Fache, what is at stake in this “Devenir Mannequin 83” contest?

    Dominique Fache: It is a challenge we are throwing at public opinion, because in Belgium this profession is absolutely not recognised as a valuable one at the moment.

    Joseph Lewkowicz: You run a modelling agency. Do houses like yours hire these young people afterwards, when they win contests like this?

    Dominique Fache: Absolutely. The people we are going to try to make win tonight are guaranteed a career. It will also depend on them. A theoretically international career.

    Joseph Lewkowicz: So, what is a model to you?

    Dominique Fache: A model is not only 50% looks, it is also 50% mindset.

    Joseph Lewkowicz: Do you believe it is a profession with a future in Belgium or even elsewhere?

    Robert Malengreau: There is more and more future everywhere. Because in this profession, new faces are needed all the time. People need to be renewed all the time. It is terrible too. It is quite a terrifying law, the law of this profession. But it is there, there is nothing to be done about it.

    Marie-Claire-Modenschau im Mirano Continental, 1989
    Archivaufnahme von 1989 im Mirano Continental. Die Zeitschrift Marie Claire organisierte eine Modenschau rund um das Model Dominique Goossens. Carl De Moncharline ist im Saal anwesend, kurz bevor er ab 1991 allmählich seine Nachfolge antreten würde. Das Dokument folgt dem Backstage-Geschehen: Make-up, Accessoires und die Anforderungen des Modelberufs.Quelle: YouTube →
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    Dominique Goossens: Frank, could you bring me a chocolate, anything, something to eat when I'm starving? Yes, I know. If the make-up is beautiful, and he does it as usual, that's already very good; I'll already feel in great shape to begin. It's very important. Today is really the summit in Brussels. It's the event to see. It's the event to live.

    Dominique Goossens: It's also the event to do for a model tonight.

    Dominique Goossens: Do I like all the clothes I wear? In general, yes, but it's not always the truth, but that's not our problem. That's not what we should think about. You have to know, even if we don't like them, the sine qua non is to wear it well and above all to sell it. That's why we're here.

    Dominique Goossens: The accessory is what makes the outfit. It's essential. The accessory, I mean a simple black dress. It can be very beautiful, but it will be much more beautiful if the hat you wear it with is adequate.

    Etienne Russo, from the Mirano to Villa Eugénie

    Étienne Russo. Photograph from ICON, spring/summer 2025.

    One name cannot be left unspoken at the end of this chapter: Etienne Russo. Artistic director of the Mirano before Carl De Moncharline, who would gradually succeed him from 1991, he directed the fashion shows and ran the Smirnoff Fashion Award, whose finals were held in the former cinema on the chaussée de Louvain. For him, fashion was never one activity among many: it was his natural ground, and the club offered it to him as a laboratory.

    An der Seite von Aldo Gigli sah Etienne Russo seine ersten großartigen Dekorationen entstehen. Ein Abend blieb legendär: « Die Abgründe » am 25. Juni 1992, mit einer von Aldo entworfenen Unterwasserwelt, die den ganzen Club einnahm und den Großen Wal in eine Bar verwandelte. Das wiederentdeckte Plakat, signiert von Patrick Gennaro Avella und nicht von Aldo Gigli, ist heute das wertvolle visuelle Zeugnis dieses Universums, von dessen Dekoration offenbar kein Foto erhalten ist. Jahre später lässt der Meeresgrund in der Szenografie einer großen Schau von Villa Eugénie schmunzeln: Der Traum hatte sich bereits in einer Nacht im Mirano ereignet.

    When Etienne Russo left the Mirano to fly on his own, the career that followed became unique in the world: Villa Eugénie, the first Dries Van Noten show in Paris in 1991, then hundreds of productions for Chanel, Hermès, Louis Vuitton, Dior Homme, Moncler and so many others. But something was born here, in this place where Aldo Gigli knew how to turn a drawing sheet into party architecture: it is no exaggeration to say that the Mirano allowed his first dreams to hatch.

    Carl De Moncharline also inherited from Etienne Russo a standard that never left him: a perfectionism pushed beyond perfection, a care for detail down to the invisible. It is a line Carl tried to hold throughout his career, in another register, large-scale public events, but with the same conviction: the care given to what the audience will never notice is precisely what gives an evening its greatness.

    « Die Abgründe », Mirano Continental, 25. Juni 1992. Plakat von Patrick Gennaro Avella für den Abend mit einer von Aldo Gigli entworfenen Unterwasserwelt und dem Großen Wal als Bar.
    The whale bar from The Abysses set, now installed at KM5 in Ibiza. The centrepiece of the set designed by Aldo Gigli for the 25 June 1992 evening thus continued its journey beyond the Mirano Continental.
    Etienne Russo, the seabed turned grand spectacle
    The scenography of a Philipp Plein fashion show signed by Etienne Russo and Villa Eugénie: an underwater world, a nod to the evening he had imagined with Aldo Gigli at the Mirano, where the Great Whale served as a bar.Video: Carl De Moncharline's personal archives.
    Madame Figaro, 2015: "Etienne Russo, le metteur en rêve", portrait by Elisabeth Clauss (photos Mathieu Ridelle), spread on pages 210-211.